Drohnensammelplätze

Ein Gastbeitrag von Wolfgang Schwarz, Juni 2023 – Drohnensammelplätze – ein neuer Aspekt?

den link zum Video am Ende des Beitrags

Beobachtung:

An meinem Bienenstand mit 3 Völkern stellte ich erstmalig am 27.5.2023 bei sonnigem trocknen Wetter (ca. 25°C) gegen 16:00 Uhr einen extrem starken An- und Abflug von Drohnen an einem der drei Völker fest. Akustisch war das schon von weitem zu vernehmen.
Die Lage des Bienenstandes liegt außer Orts an einem insgesamt ca. 40 m hohen Südhang  mit mehreren Biotop-Heckenreihen und Obstbäumen in erhöhter mittlerer Lage.
Über eine Minute ausgemessen, lag der Anflug wie auch der Abflug bei gut 5000 Drohnen/h am Flugbrett. An den anderen beiden Völker in max. 3m Entfernung (beides zwei Wochen vorher eingeschlagene Schwärme 8 und 1 l groß) war von dieser Aktivität nichts zu erkennen.
Um die Bäume und Sträucher herum zogen die Drohnen in geschätzt über 5 m Höhe ihre weitläufigen Bahnen. Bis in welche Höhen konnte ich nicht erkennen. Der Flug der Drohnen unterscheidet sich von den Arbeiterinnen durch eine deutlich höhere Geschwindigkeit und den immer wieder kurvenden Bahnen wohingegen die Arbeiterinnen sehr geradlinig abfliegen.
Gebannt beobachtete ich die Bienen am Flugloch, bis das Ereignis um etwa 17:30 Uhr beinahe schlagartig endete.
Tags darauf war ich bereits gegen 14:00 Uhr vor Ort und konnte das erneute Einsetzen des Ereignisses gegen 14:30 Uhr beobachten. Binnen ca. 10 min war die Besuchsfrequenz des Vortages wieder erreicht. Auch dieses Mal endete das Ereignis gegen 17:30 Uhr.
In einem glichen sich alle Drohnen. Sie waren alle top fit und viele stiegen fast senkrecht in die Luft.
Bei normalen Drohnenbeobachtungen an diesem Volk waren immer wieder schlechtere Flieger zu beobachten und in der Stunde max. ca. 15-20 Drohnen.
Vom 29.Mai bis 3. Juni war ich dann im Urlaub.
Am 4. Juni konnte ich die Beobachtung wiederholen, allerdings jetzt mit etwas weniger Drohnen und das Ereignis war auch etwas kürzer und endete bereits um 17:15 Uhr.
Eine Drohnentraube im naheliegenden „Flugraum“ der Beute konnte ich nicht erkennen.
Auch hatte das bestellte Königinnenpheromon leider Lieferrückstand und war noch nicht eingetroffen um das Ereignis durch einen Versuch als Drohnensammelplatz endgültig zu verifizieren.

Besonderheit des Bienenvolkes als eine Grundlage der Hypothese:

Das betroffene Volk ist kein Imkervolk im gewöhnlichen Sinne, sondern ist Teil meiner behandlungsfreien Forschungshaltung als Basis für eine echte behandlungsfreie und nachhaltige „Imkerei“. Die Bienen lernen hier in der Natur nachempfundenen, möglichst idealen Beuten sich innerhalb von 2 Jahren in „Einklang“ mit der Varroamilbe zu bringen und das ohne Honigentnahme. Sie erlernen dabei das Arsenal der ihnen von Natur aus gegebenen Gegenmaßnahmen zur Varroamilbe erfolgreich zu entwickeln. So kann ich von Volk zu Volk unterschiedlich ausgeprägte Gegenmaßnahmen zur Varroaentwicklung beobachten. Aber das ist ein eigenes Thema für sich.
Kurz beschrieben, lebt dieses Volk in einer hochisolierten, diffusionsoffenen ,modifizierten Warré-Beute (30 x 30 x 63 cm Festvolumen) im Natur- und Stabilbau. Als Vorgabe erhalten die Bienen Leisten bei 32 mm Gassenabstand. Die Isolation besteht aus 3 cm Holz, umgeben von 58 mm Hanfwolle und 4mm Sperrholz mit Beutenlack versiegelt.
Man könnte dies als Haltung unter erhöhtem Wärmepotential definieren.

Hypothese:

Jeder Drohnensammelplatz (DSP) befindet sich in der Reichweite eines natürlichen Bienenvolkes zumeist eines Volkes in einer Baumhöhle und dient dort für die Zeit der Königinnenjagd als eine Art Relais-Station für die Drohnen bei ihrer Jagd.

Ein natürliches Bienenvolk in der Nähe eines Drohnensammelplatzes macht gleich in mehrerlei Hinsicht durchaus Sinn. Da diese Völker oft schwer aufzufinden sind und diese Plätze nur in geringer Anzahl bekannt sind, könnte dieser Zusammenhang bisher durchaus unentdeckt geblieben sein.

Gründe für diese Hypothese:
Bereits die Ruttners haben in Ihren äußerst umfangreichen mehrjährigen Untersuchungen zu Drohnensammelplätzen in den 60er und 70er Jahren wirklich hervorragende Arbeit geleistet.
Ihre Erkenntnisse zur Orientierung der Drohnen, ihrer Flugweiten und Beständigkeit im Aufsuchen eines Drohnenplatzes sind wirklich beeindruckend. Dennoch umgibt das Thema Drohnensammelplätze immer noch eine beinahe mystische Aura, da die Beobachtung eines solchen doch sehr selten ist.
Die Drohnen haben einen Anflug zum DSP über mehrere Kilometer und verweilen vor dem Rückflug immerhin ca. 3h vor Ort. Dieser Umstand birgt natürlich gleich mehrere Probleme:

  • Futterversorgung:
    Wie kommen die Drohnen an Energie für die Jagd
  • Ruhephasen:
    Wie können die Drohen sich ausruhen zwischen den Jagdflügen
  • Schutz vor Räubern:

Lösungsansätze:

Es scheint beinahe unmöglich sich vorzustellen, eine Drohne fliege über mehrere km, zu Beginn randvoll aufgefüttert, zum DSP und fliegt dort 3 h in der Luft umher, mehrfach angestrengt Königinnen hinterherjagend, um dann die ganze Strecke wieder zurückzufliegen und das über viele Tage. Was muss das für ein Wundertier sein!
Ausruhen in Bäumen und Büschen scheint hier ebenfalls ein gefährliches Unterfangen und würde aufgrund der Konstanz der DSP Tag für Tag sicherlich eine Schar von hungrigen Vögeln anlocken. Im Flug sind die Drohnen aufgrund ihrer hohen Fluggeschwindigkeit und ihres hervorragenden Sehvermögens einigermaßen sicher vor Fressfeinden.
Ein Naturvolk als Relais-Station macht hier absolut Sinn. Die Drohnen können sich dort vor Ort
– ausruhen für den nächsten Jagdflug Kraft sammeln
– ausreichend Futter für genau den nächsten Jagdflug aufnehmen, um nicht durch zu viel Futter im Leib anderen Drohnen bei der Königinnenjagd unterlegen zu sein, da sie im Falle einer erfolgreichen Befruchtung sowieso sterben. Bei Erfolglosigkeit des einen Fluges wird in der Relais-Station wieder für den nächsten „nachgetankt“.
– Schutz vor Fressfeinden suchen, die ansonsten bei einem Pausieren in Bäumen und Hecken sicherlich durch das alltägliche Spektakel vermehrt auf der Lauer liegen würden.

Diese Gedanken entspringen einer ganz natürlichen Logik und lösen die bisher bestehenden Probleme auf einen Streich. Ich bin mir natürlich sicher nicht der erste zu sein, der diesen Gedanken hegt, da man bei intensiverer Betrachtung der DSPs eigentlich zwangsläufig auf diese Probleme stoßen muss. Nur leider ist es mir nicht gelungen, auch wegen der Kürze der Zeit, dazu Informationen bei meinen Recherchen zu finden.
Bei der Lokalisation dieser Relais-Stationen kann es natürlich sein, dass diese bis zu mehrere hundert Meter vom eigentlichen Jagdareal entfernt sein können und sich so ihrer Entdeckung entziehen.

 

Warum kann nur ein Naturvolk und nicht ein Imkervolk als Relais-Station dienen:
Weil sonst schon mehrfach eine solche Beobachtung hätte gemacht werden müssen. Davon ist mir nichts bekannt. Bienenvölker, denen einer oder mehrere Honigräume aufgesetzt werden sind in ihrem Sozialgefüge massiv gestört. Der Zwang den aufgesetzen Raum mit Honig füllen zu müssen, setzt die Futterbeischaffung an die oberste Priorität des Volkes. Brutpflege und varroasensitive Hygiene rutschen in dieser Zeit ab auf ein absolut notwendiges Mindestniveau. Ein Hauptgrund der Varroaproblematik. Hier noch an eine Betreuung/Fütterung von rund 5000 Drohnen pro Stunde zu denken ist vollkommen abwägig. Aber auch Naturvölker kommen nur in geringem Umfang in Frage, da das Volk über ausreichend Futter verfügen muss (dies ist bei meinem Volk absolut der Fall) und nahe einer passenden Gelände- und Baumformation stehen muss.

Gesundheit des Naturvolkes:
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gesundheit des Volkes.
Kranke und oder mit Varroen belastete Völker scheiden sofort aus. Bei meinem Volk habe ich das Geschehen erstmals am 27.05.2023 entdeckt. In den drei vorangegangenen Wochen war ich – als vielbeschäftigter Selbstständiger – in dieser Zeitspanne von 14:30 – 17.30 Uhr nie vor Ort. Wahrscheinlich lief das Geschehen schon einige Zeit. Was mir aber ungemein aufgefallen war, ist die Tatsache, dass in den zwei vorangegangenen Wochen die Varroabelastung, entgegen jeglicher Logik, von etwa 25 Varroen/Tag auf ca 5 Varroen/Tag abgefallen war, was ich so in diesem Zeitraum noch nie beobachten konnte.
Eine etwas gewagte Hypothese wäre hier die Frage, ob diese Menge an gesunden Drohnen auf das Varroageschehen einen positiven Einfluss hat. Eine Kontrolle über Temperaturmessungen wäre hier vielleicht aufschlussreich.

Historie des Volkes:
Das Volk ist durch das Einschlagen eines späten Nachschwarmes mit etwa 1,5l Volumen am 01.07.2022 gebildet worden und hat im ersten Jahr lediglich 9-10l voll gefülltes Wabenwerk entwickelt. Zu Beginn wurde das Volk mit einer Mischung aus 500g Honig, 500g Zucker 1000ml Wasser und 200ml starken Wildkräutertee aus selbst gesammelten Kräutern angefüttert. Das Volk hat 2022 an nie mehr als 3 Varroen am Tag auf meiner gegen Räuber abgedichteten Windel entwickelt. Es zeigte schon von Anfang an eine bemerkenswerte Varroatoleranz. Die Anzahl der lebendig abgeworfenen Varroen durch Grooming ist außerordentlich hoch, so konnte ich einmal 10 Varroen/Tag zählen, wovon 9 noch lebendig waren ein anderes Male 12 wovon 10 noch lebendig waren.

 

Fazit:

Angeregt durch diese Beobachtungen wäre es jetzt aufschlussreich, bekannte DSPs auf naheliegende Wildvölker hin zu untersuchen.
Ich kann auch nicht umhin, an andere Imker und Honigbienenhalter zu appellieren die Haltungsform der gutimkerlichen Praxis zu überdenken und Völkern unter Naturbedingungen eine Chance zu geben. Entscheidend ist das Milieu in dem die Biene lebt um erfolgreich mit der Varroamilbe auszukommen. Denn es kann sicher nicht das Ziel der Varroamilbe sein, ihren Wirt und somit sich selbst zu zerstören. Der Lohn sind immer wieder spektakuläre Beobachtungen und das gute Gefühl im Einklang mit Apis Mellifera unserer Honigbiene zu leben.

 

Wolfgang Schwarz
Varroaresistenzhaltung von Honigbienen
Höchstadt, den 8.6.2023

Hier finden Sie das Video zu diesem Text auf meinem Kanal

https://youtu.be/kuH00c_p6Kc