Philosophische Schatztruhe

In dieser Rubrik möchte ich in lockerer Folge Gedanken mit Ihnen – mit Dir – teilen, die mir über die Honigbienen hinaus wichtig und für mein Leben wesentlich sind.

Im Moment gehe ich der Fage nach, ob es auch andere Gründe für die Faszination der Honigbienenhaltung gibt als Honig und Naturerleben. Ich habe das Gefühl, dass die Bienenhaltung und die Honigbienen irgendwie geheimnisvoll mit der Bewusstseinsentwicklung des Menschen zusammenhängen. Oder präziser formuliert: in der Bienenhaltung und im Verhalten der Honigbienen scheinen Wahrheiten auf, die meist tief in unserem Unbewussten verborgen sind, uns aber auf unserem Weg der Entwicklung weiterhelfen können, bewusst oder unbewusst. Diese Wahrheiten stammen meiner Ansicht nach nicht aus der Natur und auch nicht aus den Honigbienen, sondern aus dem GEIST, der alles durchdringt, auch die Natur und die Honigbienen (und alles andere auch).

Warum streben wir als Menschen nach einem Sinn, nach Tiefe und nicht nur nach Leistung und Besitz? Weil wir doppelten Ursprungs sind, wie es Graf Dürckheim formuliert. Wir sind zum einen Wesen, die auf der Erde leben, scheinbar geschaffen und gehalten aus Materie, zum anderen aber sind wir Wesen, die die Materie übergreifen, umfassen und in einem göttlichen Sein wurzeln. Wesen, die wie das Universum selbst in einer Evolution begriffen sind, derer wir uns leider meist nicht bewusst sind. Ken Wilber hat dies in ein trauriges Wort gefasst: Wir leben in einem Flachland-Kosmos, in einem Flachland-Land, in dem außer Materie, Leistung, Nutzen nichts mehr zu existieren scheint. Doch es existiert viel mehr, viel Höheres und viel Tieferes, was uns wahrhaft nährt.

Rainer Maria Rilke drückt unseren zweiten Ursprung so aus: „Wir sind die Bienen des Unsichtbaren. Wir sammeln, außer uns [Als Sterbliche, als Verlorene] den Honig des Sichtbaren, um ihn im goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.“ In: Jean Gebser, Ursprung und Gegenwart, 2. Teil. Gebser übersetzt „éperdument“ nicht mit „leidenschaftlich“, wie das andere tun, sondern eben mit „außer uns, Als Sterbliche, als Verlorene“.

Prof. Betz empfindet diesen Ausspruch Rilkes als Auftrag, wenn er in einem Vortrag über Rilke  bei der Katholischen Akademie sagt: „Selten ist wohl eine anspruchsvollere Aufgabe für die Menschen formuliert worden. In die Hände des Menschen soll gelegt werden, ob diese Verwandlung der Welt gelingt.“

Novalis schreibt geheimnisvoll: „Das Äußere ist ein in Geheimniszustand erhobenes Innere.“ Im selben Moment steigen in mir Bilder auf von den Honigbienen, die im Außen Nektar sammeln und schwärmen, aber im Inneren ….

Angelus Silesius schreibt: „Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.“

Auf dem Buchumschlag des Buches „Summum bonum“ von Robert Fludd finden wir den Ausspruch: „Rosa Dat Mel Apibus“. Die Rose gibt den Bienen Honig.

Honigbienen können hinführen zu Tieferem und Höherem in uns Menschen. In dieser Rubrik geht es um dieses Tiefere und Höhere, Umfassendere…