Honig- und Zuckerfütterung

Diese Studien zur Auswirkung von Zucker- bzw. Sirupfütterung auf die Gesundheit der Honigbienen sowie die Studie zum Einsatz bestimmter Milchsäurebakterien (siehe Punkt D.) lassen aufhorchen

Folgende Studien zeigen eine eindeutige Tendenz: Die heute übliche Fütterung nach Entnahme des von den Bienen gesammelten Honigs hat je nach Art des Zuckers dramatische Auswirkungen auf Immunsystem, Gesundheit und Langlebigkeit der Bienen. Lesen Sie selbst:

 A. Künstliches Futter verkürzt die Lebensdauer der Bienen

Die Natur stellt den Honigbienen ihre für ihr Überleben notwendigen Stoffe aus den Quellen Nektar, Honig, Pollen und Wasser zur Verfügung. Da in der „normalen“ Imkerei (konventionell + bio!) nahezu der gesamte Honig geerntet und die Bienen mit Ersatzfutter aufgefüttert werden, damit diese ihre Winterbienen aufziehen und den Winter gut meistern können, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Gabe von Ersatzfutter auf Darm-Gesundheit (Grad der Schädigung der Zellen der Epithelschicht im Mitteldarm. Diese Zellen sind entscheidend für Verarbeitung und Resorption der wichtigen Nährstoffe) und Langlebigkeit der Bienen haben könnte.

In einer Studie wurde dies wissenschaftlich überprüft. Die Bienen wurden mit Honig und verschieden hergestellten Sirupen gefüttert, denen zusätzlich z.T. Brau-Hefe (Yeast) und/oder Bierwürze (beer wort bzw. malt) zugegeben wurden.

Exkurs: Herstellung von Bienenfutter Zucker-Sirup, Invert-Zucker-Sirup und Glucose-Sirup

Es werden i.d.R. vier Sorten von Sirup-Bienenfutter, nämlich Zucker-Sirup, Invert-Zucker-Sirup („saurer“ und Enzym-Invert-Zucker-Sirup) und Glucose-Sirup zur Fütterung verwendet:

  • Zucker-Sirup wird durch die Vermischung von (Rohr- oder Rüben-) Zucker und Wasser gewonnen.
  • Beim Invert-Sirup wird Rohr- oder Rübenzucker (Saccharose) umgewandelt (invertiert) in Fruchtzucker (50% Fructose) und Traubenzucker (50% Glucose), indem es hydrolytisch aufgespaltet wird. Zu dieser Aufspaltung wird neben Wasser ein Katalysator benötigt.Entweder wird eine kleine Menge Säure (acid) zu in heißem Wasser gelöster Saccharose dazugegeben, was zu a) „saurem“ Invert-Zucker-Sirup führt. Oder der Invert-Zucker wird durch die Behandlung des Zuckers mit dem Enzym Invertase (= Saccharase, Sucrase) hergestellt, b) Enzym-Invert-Zucker-Sirup genannt. Invertase findet sich u.a.in Hefen, Pflanzen, Pilzen oder Bakterien und findet sich auch als Verdauungsenzym im Darm vieler Lebewesen. Heute wird Invertase allerdings häufig aus gentechnisch veränderten Hefen gewonnen.
  • Glucose-Sirup oder Stärke-Sirup (meist aus Weizen oder Mais): Stärke aus Weizen, Mais, Gerste oder Reis) wird ebenfalls hydrolytisch (durch Zugabe von Wasser) mit Hilfe eines Enzyms abgebaut (enzymatische Hydrolyse) zu Glucose 20 Gewichts-%), Maltose (40 Gewichts-%) und Fructose.

Auf der Zutatenliste wird ein Sirup ab einem Gehalt von 5% Fructose als Glucose-Fructose-Sirup bzw. als Fructose-Glucose-Sirup bezeichnet. Der Gehalt an Maltose spielt bei der Bezeichnung keine Rolle.

Der Einsatz von Brauhefe und Bierwürze bzw. Malz in der Studie und der Zusammenhang mit Malzzucker (Maltose) ist folgender: Beim Bierbrauen werden die Zutaten miteinander vermischt und teilweise durch Hefe biochemisch verändert. Nachdem aus Getreide (vorwiegend Gerste) Malz hergestellt wurde, wird dieses geschrotet. Der eigentliche Brauprozess beginnt mit dem Maischen. Dabei wird Wasser auf etwa 40 °C erwärmt und das geschrotete Malz hinzugefügt. Die so entstandene Maische wird unter ständigem Rühren je nach Verfahren zuerst bis 53 °C erhitzt. Danach erfolgt der Verzuckerungsprozess. Enzyme setzen die Stärke aus dem Malz in Malzzucker um. Daraufhin wird die Maische im Läuterbottich geläutert. Der Malztreber wird von der Würze (so heißt der flüssige, vergärbare Teil der Maische) getrennt. Ich gehe also davon aus, dass die Zugabe von Bier-Würze bzw. Malz zu den verschiedenen Sirupen mit der Gabe von Maltose zu vergleichen ist.

Das Ergebnis dieser Studie ist eindeutig:

Honig hatte keine negativen Auswirkungen auf die Darmgesundheit (Zellen der Epithelschicht im Mitteldarm). Die Bienen leben bei Honigfütterung am längsten, im 3-jährigen Durchschnitt der Untersuchung 27,05 Tage. Ähnlich waren die Ergebnisse für Enzym-Invert-Zucker-Sirup (23,74 Tage) und Zucker-Sirup (21,91 Tage).

Den größten Schaden für die Epithelzellen und signifikant auch für die Lebensdauer der Honigbienen richtete der „saure“ Invert-Zucker-Sirup an (12,15 Tage). Die Säureverunreinigungen in diesem Bienenersatzfutter verursachen gefährliche Veränderungen im Darmtrakt, die signifikant zu einer kürzeren Lebensdauer der Honigbienen führen.

Die Zugabe von Brauhefe oder Bierwürze (entspricht hier: Malz) erwies sich in allen Fällen als mehr oder weniger schädlich. Hier stellt sich mir die Frage, ob dies auch ein Hinweis auf möglicherweise schädliche Auswirkungen der Fütterung mit Stärke-Sirup auf Weizen- oder Maisbasis ist?

Die Ergebnisse sind folgender Studie entnommen:

Mirjanic, Goran; Gajger Ivana Tlak; Mladenovic, Mica; Kozaric Zvonimir (Jahreszahl nicht bekannt): Impact of different feed on intestine health of honey bees

Zusätzliche Auswirkung der Maltose auf das Auskristallisieren des Winterfutters können Sie hier nachlesen.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass mir ein namhafter Hersteller von Invert-Zucker-Sirup auf telefonische Nachfrage keine Auskunft darüber geben wollte, ob der Invert-Sirup mit Hilfe von Enzymen oder mit Hilfe von Säuren hergestellt ist. Zudem besteht der Futterteig verschiedener Hersteller zwar „hauptsächlich aus Saccharose“, es ist jedoch für mich nicht klar ersichtlich, ob Maltose aus Mais- oder Weizenstärke (gentechnisch verändert?) enthalten ist und wenn ja, in welchen Gewichts-Prozenten. Eine Auflistung der pysikalischen und chemischen Eigenschaften von Sirup und Futterteig fehlt häufig völlig. Eine Aufklärung über diese Sachverhalte finde ich wünschenswert.

Schwarm aus der Top Bar Hive in einer Thuja 12. Mai 2015

B. Zuckerfütterung beeinflusst die Genaktivität

„Eine frühere Studie hat bereits gezeigt, dass Honig Nährstoffkomponenten enthält, die das Erbgut der Bienen beeinflussen. Diese in Pflanzen gebildeten Substanzen aktivieren verschiedene Gene, die am Abbau von Giftstoffen beteiligt sind. Den stärksten Effekt bei der Aktivierung der Entgiftung-Gene zeigte die p-Cumarinsäure, die auch in Pollen und Propolis enthalten ist. Solche Inhaltsstoffe fehlen natürlich im Saccharose- oder Fructosesirup.

Forscher der Universität in Illinois, USA, haben jetzt gezeigt, dass die Folgen der Ersatzfütterung noch viel weitreichender sind. Im Labor fütterten sie zunächst gleichaltrige Sammelbienen entweder mit Honig, Saccharose- oder Fructosesirup. Dann untersuchten sie Gewebe aus einem speziellen Speicherorgan (Fettkörper) der Bienen, in dem die Insekten Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße speichern.
Der Vergleich zwischen beiden Gruppen zeigte, dass sich die Aktivität von mehr als hundert Genen deutlich unterscheidet. Betroffen sind unter anderem Gene, die für den Eiweißstoffwechsel und die Weiterleitung von Signalen der Nervenbahnen zuständig sind oder im Immunsystem eine wichtige Rolle spielen. Offensichtlich sind im Honig wichtige Bestandteile enthalten, die die Abwehrkräfte der Bienen verbessern.
Die Forscher raten daher zur Zurückhaltung bei der Zuckerfütterung. Weitere Studien sollen nun genauer zeigen, auf welche Weise die verschiedenen Aktivierungsmuster der Gene den Gesundheitszustand der Bienen beeinflussen.“

Dr. Heike Ruff, Mit freundlicher Genehmigung des Fachmagazin für Imker – ADIZ/die biene/Imkerfreund, Ausgabe 09/2015, Seite 16

Quelle: Wheeler M M and Robinson G E: Diet-dependent gene expression in honey bees: honey vs. sucrose or high fructose corn syrup. Sc. Reports (2014) doi:10.1038/srep05726

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C. Die Rolle der Milchsäurebakterien im Honigmagen der Honigbiene

Auch die Anzahl der im Honigmagen der Bienen gefundenen unterschiedlichen Milchsäurebakterien-Stämme sowie die reine Anzahl der Milchsäurebakterien ist eindeutig zurückgegangen. Mir fällt dazu das Buch „Darm mit Charme“ ein, das auch beim Menschen einen Zusammenhang von unterschiedlichen Erkrankungen mit dem Rückgang der verschiedenartigsten Milchsäurebakterienstämme aufzeigt.

Bei den Bienen liegen dazu folgende Erkenntnisse vor:

Milchsäurebakterien in den wilden Honigbienen bekämpfen bakterielle Infektionen

Forscherinnen und Forscher aus Schweden haben wilde Honigbienen-Völker untersucht, die sie in der ganzen Welt gesammelt haben. Dabei fanden sie im Honigmagen all dieser Bienen eine recht ähnliche Zusammensetzung von Milchsäurebakterien, darunter bisher unbekannte Milchsäurebakterien-Stämme, die Bakterien wie das Faulbrut-Bakterium bekämpfen können. Die ForscherInnen stellen die Hypothese auf, dass diese Milchsäurebakterien das fehlende Glied zum Verständnis der Bienenverluste darstellen könnten. In früheren Zeiten haben die Menschen die größte natürliche Mischung der Welt von gesunden Bakterien in Form von Honig als natürliches Antibiotikum zu heilerischen Zwecken benutzt. Milliarden von gesunden Milchsäurebakterien aus 13 verschiedenen Stämmen garantierten Millionen Jahre das Überleben der wildlebenden Honigbienen. Zum Vergleich: in probiotischen Nahrungsmitteln unserer Zeit werden 1-3 verschiedene Stämme verwendet.

Diese Mikroben machen den Honig haltbar und schützen die Bienen vor Krankheitserregern. Schon frisch geschlüpfte Tiere werden nach wenigen Minuten durch die Arbeiterinnen mit Milchsäurebakterien geimpft. Das zeigt, wie wichtig diese Mikrobenflora für die Immunabwehr der Bienen ist. Die ForscherInnen vermuten nun, dass den Zuchttieren der natürliche Schutz durch die Milchsäurebakterien fehlt. Die Ursache könnten die Antibiotika-Gaben (in USA) sowie die Fütterung von synthetischem Zucker (USA/Europa) sein, die zu einer Abwehrschwäche der Bienen führen können.

Quelle: Vásquez A, Forsgren E, Fries I, Paxton RJ, Flaberg, E, et al. (2012) Symbionts as Major Modulators of Insect Health: Lactic Acid Bacteria and Honeybees. PLoS ONE 7 (3): e33188. doi: 10.1371/journal.pone.0033188

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D. Ein Baustein zur Steigerung des Immunsystems kann die Fütterung dieser Milchsäurebakterien (LAB) sein

Der wissenschaftliche Artikel der Mikrobiologin Alejandra Vásquez und des Mikrobiologen Tobias Olofsson hat mich sehr fasziniert. Sie stellten fest, dass diese gesunden Milchsäurebakterien nur in frischem oder wildem Honig aktiv sind, nicht aber in dem Honig, der weniger als 20% Wasseranteil hat und in den Läden verkauft wird.

Könnte es dann sein, dass dieser „LAB-Cocktail“ unseren Bienen helfen kann, ihr Immunsystem zu stärken? Ich bin sicher! Forschungen hierzu würden die Antwort liefern!

 

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Mehr Honig im Bienenvolk belassen und wieder mehr Honig füttern

Ich möchte an dieser Stelle den Heideimker und Lehrer Herrn Lehzen sprechen lassen:

„Fragen wir‘ nun: Womit füttert man die Bienen spekulativ? Die Antworten werden verschieden lauten. Bei den hannoverschen Imkern aber heißt es ohne Ausnahme: Mit reinem Honig. Ich betone dies: mit reinem Honig! Ist der hannoversche Imker mit der Unreinlichkeit stets im Kriege, so zeigt er die größte Ängstlichkeit bei der Auswahl seines Futterhonigs. Es kommt nur verdeckelter Scheibenhonig in die Honigtonne. Befinden sich offene „Augen“ dazwischen, so wird dieser Honig ausgeschieden. Ebenso ängstlich ist der hannoversche Imker nun auch mit dem Füttern. Glaube keiner, daß unsere Imker ihren Bienen Mehl, Stärkezucker, Ei oder Milch reichen. Sie werden es nie tun. Unsere Züchter wissen bestimmt: Der Honig, den sie in der Tonne haben, ist für die Bienen ein gesundes Futter, aber sie fürchten, daß Kandis, Traubenzucker, Milch etc. ihren Bienen Gefahr bringen können. Wer nur Berufssimker ist, wer ein bedeutendes Kapital in die Bienen gesteckt hat, wer von den Bienen leben will, geht nur den Weg Nro.Sicher. Die erste Regel für einen Imker ist deshalb: Sorge dafür, daß Du auf mehrere Jahre Futterhonig in Vorrat hast!“

Aus: Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften – Die Hauptstücke aus der Betriebsweise der Lüneburger Bienenzucht – Lehzen, Georg Heinrich – Hannover, 1880 – urn:nbn:de:hbz:38m:1-20900 – download – (siehe auch unter: „Interessante Links“ auf dieser Homepage)

 

Welches Winterfutter ist also das Beste?

Jedes Kilo Honig, das den Bienen belassen wird, dient in hohem Maße ihrer Gesundheit und stellt ohne Frage das beste Winterfutter dar. Die Wiederbelebung der Futtertonne, wie sie Herr Lehzen beschreibt, wäre ein riesiger Gewinn.

Eine gute Alternative wäre der enzymbasierte Invert-Zucker-Sirup, den meines Wissens nach im Moment (2015-2017) nur HOSTETTLER Spezialzucker AG in der Schweiz mit der Artikelnummer BI 7000.708 (Bio-Futtersirup) herstellt und vertreibt.

Die drittbeste Variante nach oben genannter Studie stellt der einfache Zucker-Sirup dar. Viele ImkerInnen scheuen den großen Aufwand, (Bio-)-Zucker wieder selbst anzurühren. Eine Erleichterung verspricht der „Winterfutterautomat“ von Herrn Spiegel, den er vor etwa 40 Jahren einem „alten Hasen“ abgeguckt hat. Die Zuckerfutterlösung in dieser Tonne ist bequem haltbar. Herr Spiegel hat den Automat weiterentwickelt und dankenswerterweise im Imkerfreund 07.2014 die Bauanleitung des „Winterfutterautomat“ veröffentlicht.

Lesen Sie doch auch meinen Artikel zur Zucker- und Honigfütterung,der im FREETHEBEES Bulletin Nr. 7 (September 2017) veröffentlicht ist.

2017_09_Bulletin_FREETHEBEES_Nr7_PDF

Herr Georg Peukert hat mich vor einigen Wochen angeschrieben, nachdem er meinen Artikel über die Zuckerfütterung im Bulletin Nr.7 gelesen hat. Er hat mir einige seiner Artikel zugemailt, die ich hier dankenswerterweise und sehr gerne zugänglich mache. Zugleich machte er mich darauf aufmerksam, dass die USA seit 1.10.2017 gentechnisch veränderten Zucker-Sirup in die EU und nach Deutschland einführen dürfen, der sich Isoglucose nennt. Er darf in allen Lebensmitteln verwendet werden und hat nicht absehbare Stoffwechselprobleme für Mensch und Tier zur Folge. Bitte informieren Sie sich über diese Isoglucose, die auch für Bienenfutter eingesetzt werden wird!

Georg_Peukert_Das Land, wo Milch und Honig fließt_PDF

Georg_Peukert_Geheimnis des Honigs 1_PDF

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